Route 66 mit 66: "Verrückte Ideen machen das Leben interessant" (2024)

Mit 66 Jahren fängt das Leben an – findet nicht nur Udo Jürgens, der Sänger dieses Lieds. Auch für Hubert Karl aus Zeil am Main dürfte dieser Geburtstag kein Grund sein, sich dem Alter geschlagen zu geben. Am 15. Februar wird er nun 66 und nimmt das zum Anlass für ein größeres Ziel: Die bekannte Route 66 in den USA. Diesen Highway will er jedoch nicht entlang fahren, sondern laufen.

Zu Fuß am Straßenrand der Route 66

Die Strecke verläuft durch mehrere US-Bundesstaaten und ist fast 4.000 Kilometer lang. Die Distanz will der Unterfranke am Straßenrand entlang laufen, im Joggingtempo. Aktuell bereitet er sich auf diese sportliche Leistung vor und trainiert auf Strecken durch Feld, Wald und Wiesen in seiner Heimat. "Jetzt gibt es kein Zurück mehr", sagt er. Am 27. März will Hubert Karl in Chicago starten, am 31. Mai will er dann in Los Angeles ankommen.

Hier im Landkreis Haßberge ist er mittlerweile bekannt für seine außergewöhnlichen Laufprojekte. Sein Freund und Trainingspartner Marco Depner läuft immer wieder mal eine Teilstrecke mit. "Die Route 66 – Respekt! Ich wäre da total gerne dabei. Für mich wäre das auch ein Lebenstraum, aber: Ich bin da einfach nicht in der Liga", sagt Depner.

"Wenn du die 66 erreichst, könntest du dir das als Strecke vorstellen"

Hubert Karl liebt Herausforderungen. "So verrückte Ideen machen halt auch das Leben interessant. Bei meinem 60. Geburtstag habe ich ein Schild gesehen mit der Route 66." Seitdem hat er sich mich mit der Route 66 beschäftigt. "Und dann war das so ein Gedanke: Wenn du die 66 erreichst, könntest du dir das vielleicht mal als Strecke vorstellen", sagt er. Die Strecke beginnt in Chicago und führt über Illinois durch die US-Bundesstaaten Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico und Arizona bis nach Los Angeles in Kalifornien.

Mit mehreren Paar Laufschuhen bei Hitze, Sturm und Regen

"Ich freue mich auf dieses Amerika, weil das ja alles Mögliche bietet und ich laufe ja durch Wüsten, ich laufe wahrscheinlich viel mit Gegenwind und ich habe tolle Landschaften, bis ich ans Meer komme", schwärmt Hubert Karl und lächelt. Er erwartet, dass er auf der Strecke vier bis fünf Paar Laufschuhe "durchlaufen" wird. "Pro Laufschuhpaar 800 Kilometer, da bin ich nicht so anspruchsvoll", sagt er wieder mit einem Schmunzeln.

Er wird durch unbesiedelte Landstriche kommen und durch Millionenstädte wie Saint Louis, Oklahoma City oder Albuquerque. Auf die einsamen Gegenden freut sich Hubert Karl am meisten: "Da kommen ja auch Geisterstädte und verlassene Ortschaften, also: Das ist hochspannend und richtig interessant ist es, wenn man es live erlebt." Die größte Herausforderung wird für ihn vermutlich die Durchquerung der Mojave Wüste in Kalifornien. Entlang der Strecke gebe es auf 300 Kilometern kein Motel.

Bruder Edgar als Begleiter mit dem Auto dabei

Ganz ohne Backup begibt sich der Unterfranke allerdings nicht in die USA. Sein Bruder Edgar Karl, selbst 70 Jahre alt, will ihn mit dem Auto begleiten und regelmäßig mit Essen und Getränken versorgen. Auch Edgar Karl hat Lauf-Erfahrung, war selbst Ultralangstreckenläufer und hat mehrere 100-Kilometer-Läufe absolviert. "Meine Gedanken sind halt: Hoffentlich finden wir ihn wieder, gerade in den großen Städten. Auf so normalen Strecken ist das kein Problem, aber grad wie Chicago oder so, da ist es nicht einfach", meint er. Und das ist begründet: Vom Zentrum Chicagos bis an den Stadtrand sind es etwa 60 Kilometer. Die ersten Häuser von Los Angeles beginnen 120 Kilometer vor dem Stadtzentrum.

Schon knapp 200.000 Kilometer zurückgelegt

Im Augenblick läuft Hubert Karl zur Vorbereitung 430 Kilometer in der Woche. Das sind über 60 Kilometer am Tag – wie dann später in den USA. Hubert Karl liebt lange Strecken. Fast 200.000 Kilometer ist er bislang in seinem Leben gelaufen. Das ist rechnerisch mehr als viereinhalbmal um die Erde. Mehr als 130 Ultramarathonläufe hat er in seinem Leben absolviert. Der Längste war mit 457 Kilometern der "Friedenslauf" von Hiroshima nach Nagasaki in Japan. Den bewältigte er vor 27 Jahren in 85 Stunden – und hat dabei acht Kilogramm Körpergewicht verloren. Auch den 250 Kilometer langen "Spartathlon" in Griechenland hat der Unterfranke schon absolviert, schon zum 25. Mal. Das ist noch keinem anderen gelungen.

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Author: Chrissy Homenick

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